1928-1929

Die Gründung

Ausschlaggebend für die Gründung unseres Korps war wohl die Frühkirmes 1928. Denn damals führte das Kempener Trommlerkorps den Festzug der Effelder Schützenbruderschaft an. Ein fremdes Korps an der Spitze in unserem Dorf? Das ging einfach zu weit. Bisher hatte immer nur ein einzelner Trommler den Festzug angeführt. Die Kirmes war zu dieser Zeit noch DER Höhepunkt im Dorf, Verwandte von nah und fern kamen zu Besuch, und das Dorf zeigte sich von seiner schönsten Seite. Deshalb war es so unglaublich, dass plötzlich ein fremder Verein den Festzug anführte. Und genau diese Situation weckte den Lokalpatriotismus der Effelder. Viele junge Leute fühlten sich bei der Dorfehre gepackt. Ein fremdes Korps brachte einfach „das Fass zum Überlaufen“.

Unser erstes Gruppenfoto Kirmes 1928 am Schloß
Unser erstes Gruppenfoto Kirmes 1928 am Schloß

Obere R. v.l.n.r.

Jakob Jennissen, Franz Thissen, Theo Windeln, Josef Windeln, Heinrich Frenken, Hubert Rademacher, Wilhelm Schmitz, Johann Winkens

Mittlere R. v.l..n.r.

Johann Lintzen, Leo Thissen, Josef Jennissen, Josef Busch, Josef Hilgers, Jakob Windeln, Heinrich Staas, Gerhard Nellissen

Untere R. v.l..n.r.

Franz Meuser, Johann Meuser, Franz v.d.Dolder, Hermann Rademächers, Josef Schmitz, Josef Langerbeins, Leo Staas

Es fehlen: Heinrich Landmesser und Johann Schmitz

Pflege des Vereinseigentums

- satzungsmäßiges Gebot

Offizielles Gründungsdatum für das Trommler- und Pfeiferkorps Effeld war schließlich der 08. Juli 1928, so steht es in unserer Vereinssatzung. Diese Satzung vom 01. Oktober 1928 legte vor allem besonderes Augenmerk auf alles, was mit Pflege der Instrumente, Kleidung und anderer Utensilien zu tun hat. Der Vorstand war sogar berechtigt Kontrollen durchzuführen oder eine Kommission einzusetzen: (§8) “Mitglieder haben für sichere Aufbewahrung, gute Instandhaltung und peinlichste Sauberkeit derselben die größte Sorgfalt zu übernehmen”
Grund war die schlechte finanzielle Lage des jungen Vereins. Eine Trommel kostete zum Beispiel damals 30 Reichsmark und eine Flöte 5 Reichsmark. Zum Vergleich: 30 Reichsmark entsprachen damals einem guten Wochenlohn. Natürlich hatten wir noch keine Grundausstattung; es gab keine Uniformen und auch nur kaum Instrumente.

Auf dem Weg zum ersten Marsch

Unser erstes Ziel hieß nun, einen Marsch beherrschen. Deshalb wurde natürlich mit Hochdruck geprobt. Dafür war Pünktlichkeit übrigens bei unseren allerersten Proben strengstens vorgeschrieben. – Ein Wunsch, den unser Dirigent auch heute wieder/noch hegt. - Um die Ohren möglicher Zuhörer zu schonen, übten wir zunächst sogar auf frei liegendem Gelände: Zum Beispiel im Garten der Wirtschaft Lintzen auf Brettern, später bei früher einbrechender Dunkelheit bei Rütten auf dem Saal. Die ersten gemeinsamen Proben von Trommlern und Pfeifern fanden am Heidackerkreuz statt, in „sicherer Entfernung“ vom Dorf. Dort, aber auch am alten Sportplatz, wurde die Parade einstudiert und trainiert. Sie ist bis heute unser besonderes Markenzeichen. Auf allen Wettstreiten in dieser Gründerzeit ging der Ehrenpreis für die Parade nach Effeld. Dieses erste Renommierstück brachte uns viel Ansehen ein und stärkte natürlich das Selbstbewusstsein unseres jungen Vereins.

    Vereinsfoto Kirmes 1930 vor dem Hause „Post Hein“ (Rademacher)
Vereinsfoto Kirmes 1930 vor dem Hause „Post Hein“ (Rademacher)
Obere R. v.l.n.r. – Johann Winkens, Johann Lintzen, Heinrich Staas, Theo Windeln, Jakob Jennissen, Wilhelm Schmitz, Gerhard Nellissen
Mittlere R. v.l..n.r. – Johann Meuser, Hubert Rademacher, Josef Busch, Josef Schmitz, Josef Windeln, Heinrich Frenken, Franz Thissen, Franz v.d. Dolder
Untere R. v.l..n.r. – Franz Meuser, Josef Langerbeins, Josef Jennissen, Hermann Rademächers, Leo Thissen, Heinrich Landmesser, Leo Staas
   

Die „Spendensammler“ vom TKE

Das Frühjahr 1929 bescherte unserem Dorf sonntägliche Straßenkonzerte mit, zugegeben, nur „eingeschränktem” Programm. Aber das große Engagement unserer Musiker wurde von den Effeldern großzügig belohnt. Diese Spendierfreudigkeit ließ unseren jungen Verein weiter aufblühen und aufleben. Aber auch die Aktiven selbst leisteten einen großen Teil. Instrumente wurden aus der eigenen Tasche beziehungsweise von den Eltern bezahlt. Nur in Härtefällen gab es manchmal einen Zuschuss aus der Vereinskasse.

Jeder zahlte zudem einen Monatsbeitrag von 0,50 RM, bei Wettstreits wurden ebenfalls 0,50 RM an Startgeld pro Person fällig. Verstöße gegen die Satzung wurden mit bis zu 5,00 RM geahndet.

Auch die Herstellung der Uniformen erfolgte in Eigenregie. Hubert Ramakers fertigte Uniformröcke an, Julius v.d. Dolder nähte die weißen Blusen mit dem Matrosenkragen. Nur die Tellermützen mussten bestellt werden. Zur Finanzierung gingen zahlreiche Bittbriefe an Personen des öffentlichen Lebens, bis hin zu Reichspräsident Hindenburg, der aber wohl nie geantwortet hat. Unser erster Auftritt war Buß- und Bettag 1928: Mit viel Einsatzbereitschaft spielten wir den Parademarsch und das Lied vom gefallenen Kameraden. Der Anfang war geschafft!

Unsere erste Kirmes in Effeld

 

Die Frühkirmes 1929 war dann für unser Korps ein ganz besonderes Ereignis. Zum ersten Mal konnten wir uns als vollständiges Korps der Öffentlichkeit präsentieren. Endlich waren wir voll ausgestattet mit Instrumenten und verfügten auch über die entsprechenden Uniformen, die kaiserliche Marine-Uniform, die wir auch bis heute noch tragen.

In diesem Jahr absolvierten wir auch unseren ersten Wettstreit. Im Gepäck hatten wir gerade mal zwei Märsche. Aber trotzdem wurden wir reichlich belohnt: Wir gewannen den Ehrenpreis für die Parade und den zweiten Preis für den Korpsführer. Ein weiteres Wertungsspiel folgte dann noch in Ratheim, wo es ebenfalls zwei Preise gab.

„GreinJupp“
„GreinJupp“

„GreinJupp“ Josef Hilgers unser Allroundtalent

Gründerväter

Ein Vater dieses Erfolges war Hermann Rademächers. Als Tambour-Major des kaiserlichen Heeres war er genauestens vertraut mit der Durchführung von Paraden und der Kunst des Marschierens. Er legte großen Wert auf Tugenden wie Disziplin und militärisch exakte Haltung. Diese Genauigkeit, gerade bei der Parade, legten auch alle ihm später folgenden Korpsführer an den Tag.
Nachdem der Grundstock in Aussehen und Auftreten gelegt war, machten wir uns mit Hochdruck ans Musikalische. Hermann Rademächers und Franz Meuser übernahmen die Arbeit mit den Trommlern und Josef Hilgers probte mit den Flötisten.

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